Andreas Quast: Kinjo Hiroshi über den Besuch von Basil Hall auf den Ryukyu-Inseln

Aus dem Englischen „Kinjo Hiroshi on Basil Hall’s Visit to Ryukyu” von Andreas Quast vom 17. Dezember 2016.

Von Axel Heinrich

 

Vor 200 Jahren, im Jahre 1816, erreichte Basil Hall bekanntermaßen Okinawa. Der folgende Text ist entnommen aus: Kinjō Hiroshi: Karate kara karate made (Von karate 唐手 zu karate 空手), 2011. Übersetzung (einschließlich möglicher Fehler) von Andreas Quast.

"Die Reise der Königlich Britischen Marine nach Korea und zu den Ryūkyū-Inseln“

Beschäftigt man sich genauer mit dem Vermächtnis und mit der Entwicklung des karate, gibt es – angesichts der äußerst raren historischen Aufzeichnungen – einen wertvollen Hinweis, der uns die Umstände der Verbreitung des Tōdī auf den Ryūkyū-Inseln während der Bunka- und Bunsei-Ära (1804–29), besser verstehen lässt. Die Rede ist von dem Text „Account of a Voyage of Discovery to the West Coast of Corea, and the Great Loo-Choo Island” von Basil Hall, Kapitän des Kriegsschiffes „Lyra” der Royal Navy, veröffentlicht 1818. Das Buch gibt eine Zusammenfassung dieser Reise.

Die Auseinandersetzung zwischen Kenpō und Boxen an Board des Kriegsschiffes „Alceste“ der British Royal Navy

Napakiang, oder Naha-Mündung. in „Account of a Voyage of Discovery to the West Coast of Corea, and the Great Loo-Choo Island” von Basil Hall.
Napakiang, oder Naha-Mündung. in „Account of a Voyage of Discovery to the West Coast of Corea, and the Great Loo-Choo Island” von Basil Hall.

Im Herbst 1816 (Bunka 13), ca. ein halbes Jahrhundert nach dem Vorfall „Ōshima Hikki”, zur Zeit des 17. Ryūkyū-Königs Shō Kō, erreichten die Kriegsschiffe „Alceste“ und „Lyra“ der British Royal Navy den Hafen von Naha. Während ihres fast vierzig Tage währenden Aufenthaltes bekamen sie Besuch vom Ryūkyū-Prinz (Ōji), sie luden die Ryūkyū-Bewohner zu einem Bankett ein und außerdem scheint es, als wären sie bei verschiedenen Regierungsvertretern der Ryūkyū-Inseln sehr willkommen gewesen. So kam es, dass Kapitän Maxwell, Befehlshaber auf der Alceste, offizielle Vertreter der Ryūkyū-Regierung zu einer Abschiedsfeier einlud. Während ein Teil der Besatzung mit den Gästen im Inneren des Schiffes diverse Verbrüderungen, Tischreden und Tänze feierte, begannen Offiziere an Deck des Schiffes traditionelle Tänze aufzuführen. Anschließend kehrten sie zum Tee in ihre Kabinen zurück. An diesem Punkt beginnen die Schilderungen von Hall wie folgt:

Nach Ankunft auf den Kabinen waren alle in großartiger Stimmung, und während sich einige bei einer Art Ringspiel amüsierten, stürzte Ookooma, der sah, als wir eine Kampfstellung einnahmen, plötzlich in der Verteidigungshaltung eines Boxers hinzu, und nahm eine dermaßen grimmige Miene ein, die wir noch nie zuvor in irgendeinem von ihnen so gesehen hatten. Der Herr, den er ansprach, dachte, Ookooma wolle kämpfen, er begann nachzugeben, aber Madera’s waches Auge sah, was von sich ging, und nach ein, zwei Worten brachte er ihn dazu, seine gewohnte Gelassenheit wieder einzunehmen.

 

(Anmerkung des Bloggers: Oben wurden der Original-Text von Halls Bericht angegeben. Kinjō Hiroshi zitierte die japanische Übersetzung von Haruna Akira, 1986).

Dinge des täglichen Lebens. In „Account of a Voyage of Discovery to the West Coast of Corea, and the Great Loo-Choo Island” von Basil Hall.
Dinge des täglichen Lebens. In „Account of a Voyage of Discovery to the West Coast of Corea, and the Great Loo-Choo Island” von Basil Hall.

Ookooma (Okuma) und Madera (Maehira) waren Angehörige der Ryūkyū-Regierung, die eingeladen worden waren. Okuma, der plötzlich „die Verteidigungshaltung eines Boxers einnahm”, war wahrscheinlich im Begriff, eine kata des chinesischen kenpō zu demonstrieren.

Weil die britische Seite ihr Box-Sparring zeigte, wollten die Ryūkyū ihrerseits entsprechend kenpō vorführen. Da sich dies jedoch kurzentschlossen ergab, kann man annehmen, dass es hierbei zu einem Missverständnis kam. Durch die Aufregung um Okuma kann angenommen werden, dass die kenpō kata in der Bunka-Ära (1804–1818) erheblich weit verbeitet worden sind bis hin zum einfachen Volk.

 

(Anmerkung des Bloggers: Das Argument von Kinjō, dass kenpō sich bis zu den einfachen Leuten verbreitete, ist diskutabel, oder zumindest lässt die Geschichte von Basil Hall nicht darauf schließen. Schließlich war Okuma ein Regierungsbeamter, der speziell für solche Treffen mit Ausländern ausgewählt worden war. Als solcher war er ein typischer Vertreter des old-style karate, aber kein Mitglied der Klasse der „einfachen Leute“.)

[Alle Darstellungen mit freundlicher Genehmigung von Andreas Quast.]