Wenn du das Dojo betrittst, lass deinen Stolz vor der Tür.

So trainieren wir...


Kata 形 - Bunkai 解 - Oyo 応用

bilden die Basis unseres Verständnis' von Karate. Eine Kata folgt einem festgelegten Ablauf von Techniken. In ihr werden mitunter ganze Karatestile und Prinzipien „verschlüsselt". Die Analyse oder Entschlüsselung einer Kata heißt Bunkai". Unsere Basis-Kata sind die fünf Pinan Kata (Pinan Shodan, Pinan Nidan, Pinan Sandan, Pinan Yondan, Pinan Godan) sowie Naihanchi, Wansu, Matsumura no Seisan, Niseishi, Matsumura no Passai, Kushanku, Chinto.

Unter „Oyo" verstehen wir, grob gesagt, die Anwendung einer Bunkai.

 

Video: Pinan Shodan und mögliche Anwendung

von Andree Kielholtz Shihan

Kumite 組手

ist eine Variante des sportlichen Kämpfens mit festlegten Regeln. Sie schult Distanz-gefühl und Timing sowie Kampfhaltung, Schnelligkeit, Kontrolle und saubere Ausführung der Techniken. Wir üben aus-schließlich Leichtkontakt mit ent-sprechender Schutzausrüstung (Hand-, Tief- und Fußschutz).

Kobudo Shorin Ryu Karate Tetsuhiro Hokama Kobujutsu Schluchsee Schwarzwald

Kobudō 古武道

bedeutet wörtlich übersetzt „alte Kriegskunst" und  geht vermutlich auf landwirtschaftliche Werkzeuge zurück. Zahlreiche Quellen berichten von Waffenverboten durch okinawanische Könige, um das Königreich zu vereinen und Rivalitäten zu beenden. Diese gehen jedoch irrtümlicherweise u.a. auf Übersetzungs- und Übertragungsfehler zurück. Stattdessen handelte es sich ursprünglich um eine Verordnung des Justizministeriums, die auf einen dokumentierten Vorfall vom 16. Januar 1670 Bezug nimmt. In jener Nacht wurde eine vermummte Person beobachtet, die Stock und Schwert bei sich trug. Daraufhin wurde solches „verdächtiges Verhalten" verboten und Polizisten wurden angewiesen, Personen, die dagegen verstießen, festzusetzen.* Zudem ist es entgegen der gängigen Meinung eher unwahrscheinlich, dass es hauptsächlich Bauern waren, die ihre Arbeitsgeräte wie z.B. Stock (Rokushaku Bō), Griffe von Mühlensteinen (Tonfa) und Fischerpaddel (Eku) usw. nutzten, um sich selbst verteidigen zu können und daraus eigene Waffensysteme erschufen. Wahrscheinlicher ist, dass Personen aus feudalen Kreisen, die mit Schwert, Lanze o.ä. erlernten Techniken, auf Alltagsgegenstände übertrugen. In unserem Dōjō trainieren wir Ryukyu Hokama Kobujutsu.

                                                                     * Andreas Quast. A Stroll Along Ryukyu Martial Arts History. 2015, S. 68 ff.)

 

Hojo Undō 補助運動

bezeichnet „ergänzende Übungen" und meint traditionelle Übungen aus Okinawa mit Gegenständen, die zur Kraftüber-tragung und Kräftigung der Muskeln dienen. In unserem Dojo nutzen wir hauptsächlich das Makiwara (Schlagpolster) sowie Nigiri Game (gefüllte Gefäße zur Kräftigung der Handgelenke und zur Stärkung der Grifffkraft). Unser Lehrer Andree Kielholtz Shihan konzipierte aus den traditionellen Übungen Okinawas und modernen wissenschaftlich erprobten Trainingsmethoden mit Original Hojo Undo eine moderne Variante mit Kettle Bell und Langhantel.

 

Hojo Undo-Buch von Andree Kielholtz für Kenshikai-Mitglieder

Daneben vertiefen wir in unserem Training u.a. folgende Prinzipien:

Tuidi Shorin Ryu Karate Schluchsee Schwarzwald

Tuite/Tuidi/Torite 取手

Tuidi bedeutet so viel wie Greifen" oder Fassen" und hat als Hebel- und Grifftechniken Einzug in das Karate gefunden. Tuidi-Techniken dienen dazu, einen Angreifer festzuhalten. Solche Greiftechniken richten sich hauptsächlich gegen Gelenke, was sie sehr gefährlich und somit effektiv für die Selbstverteidigung macht.

 

Video: Tuite von Hokama Hanshi mit Kyusho-Anwendung

Motobu Choki (1870-1944) mit Meotode Gamae
Motobu Choki (1870-1944) mit Meotode Gamae

Meotode 夫婦手

Ein häufiger Irrglaube ist, dass die zweite Hand im Karate häufig passiv ist. Das Gegenteil ist der Fall: die zweite Hand soll z.B. beim Schlagen dazu genutzt werden um den Gegner unter Kontrolle zu halten bzw. Hindernisse zu beseitigen. Der gleichzeitige Einsatz beider Hände („verheiratete Hände") ist ein immer wieder auftauchendes Prinzip in verschiedenen Kata und Techniken.

 

Artikel von Andree Kielholz Shihan

Muchimi Shorin Ryu Karate Schluchsee Schwarzwald

Muchimi-di もちみ

das Prinzip der „klebenden Hände" fördert, kurz gesagt, die Fähigkeit, durch Drücken, Fangen oder Umlenken die Hände des Gegners nach einem Angriff zu kontrollieren.

 

Video: Beispiel für einen Muchimi-Drill

Tegumi Bodenkampf Shorin Ryu Karate Schluchsee Schwarzwald

Tegumi 手組

Dem Karate-Training auf Okinawa wurde und wird allen Distanzen annähernd die gleiche Bedeutung beigemessen, so auch der Nahdistanz am Boden. Ursprünglich eine okinawanische Art des Ringens, die mit dem Karate auf Okinawa fest verbunden war, ging sie verloren, als es Anfang des 20. Jahrhunderts in den Schulsport integriert wurde, weil der Fokus dort auf Tritt- und Schlagtechniken liegen sollte. In modernen Karatestilen findet man solche Formen des Bodenkampfes selten.

 

Video: Tegumi (Befreiung aus der Rückenlage)