Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert.

勝つ考えは持つな、負けぬ考えは必要

Kampfkunst vs. Kampfsport


Wie der Name schon sagt, steht beim KampfSPORT das Sportliche im Vordergrund. Dabei geht es vordergründig um den Wettbewerb und somit um den Vergleich zweier Sportler. Ein sportlicher Wettkampf braucht natürlich Regeln (und einen Schiedsrichter, um diese zu überwachen), die wiederum dazu führen, dass nur bestimmte Techniken und Taktiken angewendet werden, um wertvolle Punkte zu machen und zu gewinnen. Das bedeutet, dass verschiedene Techniken verboten sind, die den Gegner schwer verletzen, dauerhaft schädigen oder gar töten könnten. Der Fairness halber gibt es i.d.R. eine Einteilung in Gewichts- und Altersklassen, um ungleiche Paarungen im Wettkampf zu vermeiden. Das Training ist inhaltlich auf den Wettkampfcharakter ausgerichtet; so stehen meist Kraft-, Ausdauer- und Sandsacktraining im Vordergrund. Anhänger des Kampfsports unterstützen zudem die Bewerbung von Karate als olympische Disziplin. Wie sich Kampfkünste verändern, wenn man aus ihnen sportliche Varianten macht, kann man auch gut beim Taekwondō und beim Judō beobachten.

Das Weglassen von Techniken also führt dazu, dass diese im Laufe der Jahre verloren gehen oder ganz vergessen werden, weil sie z.B. nicht mehr gelehrt werden (da sie ja als „uneffektiv“ für den Wettkampf gelten). Damit geht auch ein Stück Kultur verloren.

 

In den KampfKÜNSTEN geht es nicht um Gewinnen oder Verlieren. Der ursprüngliche Gedanke dahinter ist, sich aus der Not heraus gegen einen oder mehrere bewaffnete Angreifer verteidigen zu können. Selbstverteidigung im eigentlichen Sinn hieß im feudalen Japan oder auch auf Okinawa kämpfen „auf Leben und Tod“. Daher stammt auch der englische Begriff „martial art“ bzw. das deutsche Wort „martialisch“, was u.a. „kriegerisch“ bedeutet. In einer realen Selbstverteidigungs-situation auf der Straße gibt es keine Regeln, keine Fairness und keine Gewichtsklassen. Kein Schiedsrichter unterbricht den Straßenkampf oder den nächtlichen Überfall in einer abgelegenen Seitenstraße. Dort zählt einzig das Überleben bzw. dass man unbeschadet aus der Situation herauskommt. Demzufolge gibt es in den Kampfkünsten Techniken, die dafür geeignet sind, dem (größeren, stärken, bewaffneten…) Angreifer Schaden zuzufügen. Eine Technik ist erfolgreich, wenn sie den Angreifer bezwingen kann. Eine zweite Chance - wie in einem Wettkampf, bei dem mehrere Runden auf Zeit gekämpft wird - gibt es in der Selbstverteidigung nicht.

Karate ni sente nashi
Karate ni sente nashi

Während beim Kampfsport der aggressive Charakter des Angreifens (um der Punkte und des Sieges Willen) geschult wird, geht es den Kampfkünsten um das Verteidigen. Das spiegelt sich in dem Spruch von Gichin Funakoshi  „Karate ni sente nashi“  手に先手無し. wider: Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.

 

Bei den traditionellen Kampfkünsten steht zudem der geistige Aspekt im Vordergrund. Das wird im Japanischen mit der Silbe Dō 道 ausgedrückt. Der „beste“ Kampf im Sinne der Kampfkunst ist der, der nie stattfindet. Der Kampf in der Kampfkunst richtet sich im eigentlichen Sinn gegen sich selbst, nie gegen andere.

 

KURZ: Aus den traditionellen Kampfkünsten entwickelten sich mit den Jahren aus verschiedenen Gründen Kampfsportarten, bei denen der Wettkampfcharakter im Vordergrund steht. In den Kampfkünsten dagegen stehen geistige Werte, die Schulung des Charakters und die Selbst-verteidigung im Vordergrund.